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20.11.19: Studie: Krebs nicht durch Gasbohrung
19.11.19: CT-Strahlung mit erhöhtem Krebsrisiko
10.08.18: Krebs-Risiko durch Lippenpflege
26.06.18: Flugbegleiter erkranken häufiger an Krebs
24.09.16: Neue Zahlen zur Wirkung der Castoren aus Lüchow
01.07.16: Hautkrebsgefahr nicht unterschätzen!
07.05.16: Feinstaub erhöht Krebsrisiko
30.04.16: Nach NDR-Bericht: Tchibo ruft Spielzeug zurück
27.04.16: Geografie der Genesung
11.04.16: Steimbke: Krebshäufigkeit knapp unter kritischem Wert
17.01.16: Duftkerzen nicht ungefährlich
21.12.15: Asbest nur von Profis entfernen lassen!
21.12.15: Asbest lauert an unerwarteten Orten
03.11.15: Mehr Krebs an Autobahnen
16.10.15: Polizisten nach Schießtraining an Krebs erkrankt
05.10.15: Krebs-Gift in Möbeln
10.07.15: Ungewöhnlich hoher Anstieg der Krebserkrankungen in Achim

18.12.18: Abstandsstudie veröffentlich
16.03.18: Ministerium sucht weiter nach Ursachen
11.05.17: NDR zu Bothel
23.12.15: Studienergebnisse aus Bothel lassen auf sich warten
23.02.16: Krebs nach Fracking?
 

 

Studie: Krebs nicht durch Gasbohrung

Hankensbüttel/Isenhagener Land – Die vom Land Niedersachsen in Auftrag gegebene „Human-Biomonitoring“-Studie hat keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und der Wohnortnähe zur Erdgasförderung ergeben.

Einer der drei Autoren der Studie – Prof. Dr. Thomas Göen, der in Erlangen einen Lehrstuhl für Arbeits- und Sozialmedizin innehat – erklärt im IK-Gespräch, dass er ähnliche Ergebnisse für Erdölförderstätten erwarten würde, wenn diese im Fokus einer Studie stehen würden. Mit der wichtigen Einschränkung, dass die Dichtigkeit der Anlagen gegeben sein müsse.

Im nördlichen Landkreis Gifhorn war das in der jüngeren Vergangenheit öfters nicht der Fall gewesen: In den vergangenen zehn Jahren hatte es bekanntlich insgesamt 14 Leckagen gegeben, zuletzt im August bei Hankensbüttel.

Die im Auftrag des niedersächsischen Gesundheitsministeriums umgesetzte Studie war am Dienstag vergangener Woche in Hannover vorgestellt worden. Mit dieser Studie wurde untersucht, ob Menschen im Umfeld von Erdgasförderanlagen anderen Belastungen ausgesetzt sind als in Regionen ohne Erdgasförderung. Auch eine landesweite epidemiologische Abstandsstudie, die im Dezember 2018 veröffentlicht worden war (das IK berichtete), war bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass ein genereller Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Krebserkrankungen und der Wohnortnähe zu Erdöl- und Erdgasförderanlagen sowie Bohrschlammgruben nicht festgestellt werden konnte.

Göen erläutert, dass die Pumptechnik bei Erdgas und Erdöl sich etwas unterscheide, die Komponenten der Anlagen aber grundsätzlich die gleichen sind. Er hat keine Kenntnis, ob eine ähnliche Studie nun auch für Erdöl geplant ist. Es biete sich etwa an, die Emissionen am jeweiligen Fördergelände zu prüfen.

Ziel der jetzt vorgelegten Studie war es zu überprüfen, ob sich Anwohner, die in der Nähe von Erdgasförderanlagen leben, hinsichtlich der Benzol- und Quecksilberbelastung von Personen derselben Region, die nicht in unmittelbarer Nähe zu Anlagen der Erdgasförderung wohnen, unterscheiden. Für keinen der Parameter konnte für die Nichtraucher ein Unterschied zwischen der Untersuchungsgruppe und der Kontrollgruppe festgestellt werden. Auch an Tagen, für die einige Probanden Fackelarbeiten an den Erdgasförderanlagen angegeben hatten, konnten keine Erhöhungen von Benzol- oder Quecksilberkonzentrationen nachgewiesen werden. Somit liegen für zwei Substanzen, die in der Diskussion um mögliche gesundheitlichen Auswirkungen der Erdgasförderung stehen, keine Hinweise auf eine aktuelle Belastung der Wohnbevölkerung vor.

„Alle bisherigen Studien zeigen: Wir kennen die Ursache der statistisch vermehrt auftretenden Krebsfälle nicht. Die Vorverurteilungen unserer Industrie haben sich als ungerechtfertigt erwiesen“, sagt Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG). „Falls auch nach dieser Studie weitere Untersuchungen für sinnvoll erachtet werden, ist es im Interesse der Menschen vor Ort höchste Zeit, alle möglichen auslösenden Faktoren in Betracht zu ziehen und ergebnisoffen zu untersuchen.“ In Industriekreisen ist nach Veröffentlichung der Studie spürbare Erleichterung zu hören, dass zumindest zwei auslösende Faktoren ausgeschlossen wurden. Das sei eine befreiende Nachricht für die Anwohner an Erdgasförderanlagen, aber auch für die dort tätigen Mitarbeiter aus der Branche sowie deren Familienmitglieder.

(Allgemeine Zeitung, Uelzen, 20.11.19, Paul Gerlach)

 

 

 

Computertomographie-Strahlung mit erhöhtem Krebsrisiko verbunden

Eine aktuelle Forschungsarbeit zeigt, dass die Strahlenbelastung, die während Computertomographie-Scans (CT) freigesetzt wird, mit einem höheren Risiko für bestimmte Krebserkrankungen verbunden ist.

Forschende der Taipei Medical University berichten in einer aktuellen Studie von einer Verbindung zwischen Strahlenbelastungen durch CT-Scans und einem erhöhten Risiko für Schilddrüsenkrebs und Leukämie. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „JNCI Cancer Spectrum“ vorgestellt.

Krankenversicherungsdaten aus 13 Jahren ausgewertet

Ein Forschungsteam analysierte im Rahmen einer aktuellen Studie die Datensätze der Nationalen Krankenversicherung in Taiwan der Jahre 2000 bis 2013. In dem Zeitraum wurden 22.853 Schilddrüsenkrebs-, 13.040 Leukämie- und 20.157 Non-Hodgkin-Lymphomfälle gemeldet. Das Team untersuchte die Daten der Krebspatientinnen und -patienten und verfolgte ihre Krankheitsgeschichte zurück.

Personen zwischen 36 und 45 Jahre besonders gefährdet

Die Ergebnisse zeigten, dass unter den Betroffenen aller Altersklassen, die an Schilddrüsenkrebs oder Leukämie litten, durchschnittlich wesentlich mehr CT-Scans durchgeführt wurden. Bei Personen, die zwischen 36 und 45 Jahre alt waren, war das Risiko für das Vorliegen eines Non-Hodgkin-Lymphom drei mal so hoch, wenn die Betroffenen in der Vergangenheit CT-Scans erhalten haben. Bei älteren Patientinnen und Patienten war ein erhöhtes Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome nicht mehr erkennbar.

Frauen unter 45 Jahren hatten das höchste Risiko

Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass von CT-Scans im Allgemeinen ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs und Leukämie auszugehen scheint. Unter allen untersuchten Personen hatten weibliche Personen, die unter 45 Jahre alt waren, das höchste Risiko.

Bislang unterschätztes Problem der öffentlichen Gesundheit

„Unsere Studie ergab, dass CT-Scans mit einem erhöhten Risiko für Schilddrüsenkrebs und Leukämie bei Erwachsenen aller Altersgruppen und mit Non-Hodgkin-Lymphom bei jungen Erwachsenen verbunden sind“, resümiert Studienautor Yu-Hsuan Joni Shao. Das Risiko steige mit der Anzahl der erhaltenen CT-Scans. Mit der steigenden Anzahl von Menschen, die sich CT-Scans unterziehen, wird dieser Zusammenhang laut den Forschenden zu einem zunehmenden Problem der öffentlichen Gesundheit.

(heilpraxis.net, 19.11., vb)

 

 

Sieben Stoffe verantwortlich

Bebe, Labello, Eucerin: Ökotest warnt vor Krebs-Risiko durch Lippenpflege

Im Winter werden die Lippen schnell spröde und rissig. Abhilfe leisten Pflegestifte. Doch viele von ihnen enthalten Mineralöle mit potenziell krebserregenden Substanzen. Diese stecken auch in beliebten Marken.

Im Winter werden die Lippen schnell spröde und rissig. Abhilfe leisten Pflegestifte. Doch viele von ihnen enthalten Mineralöle mit potenziell krebserregenden Substanzen. Diese stecken auch in beliebten Marken wie Bebe, Eucerin und Labello. Die Experten von Öko-Test mahnen daher zur Vorsicht beim Kauf.

Folgende sieben Stoffe sollte Ihre Lippenpflege laut Öko-Test nicht enthalten: Paraffin - Mineral Oil - Paraffinum Liquidum – Petrolatum - Cera Microcristallina – Ozokerite - Ceresin

Bei diesen Stoffen handelt es sich um gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe, die sich im Fettgewebe und der Leber anreichern. Bei Tierversuchen führten sie zu Organschäden. In ihnen wiederum können sich aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe - kurz MOAH - finden. Schon kleinste MOAH-Mengen im Körper können krebserregend wirken. Deshalb erachtet die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Aufnahme von MOAH als „potenziell besorgniserregend“.

In Naturkosmetik ist Mineralöl verboten

Öko-Test kritisiert: Manche Lippenpflegestifte bestehen fast zur Hälfte aus Mineralöl. Das sei besonders bedenklich, weil die Stoffe in Lippenpflege durch Ablecken, Essen oder Trinken in den Körper wandern können - und damit auch die darin enthaltenen MOAH-Spuren.

Wer nur Produkte ohne Mineralöl verwenden möchte, sollte beim Kauf also unbedingt auf die Angaben auf der Verpackung achten – oder zu Naturkosmetik greifen. Denn darin sind Mineralöle generell verboten.

(focus.de, 10.8.18)

 

 

Flugbegleiter erkranken häufiger an Krebs

Flugbegleiter haben ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. Das haben Wissenschaftler der Harvard School of Public Health herausgefunden.

Boston - Mehr kosmische Strahlung und UV-Strahlung, unregelmäßige Schlafrhythmen und möglicherweise auch chemische Substanzen in der Kabine – über den Wolken ist das Flugpersonal diversen Krebsrisiken ausgesetzt. Aber erkranken Stewards und Stewardessen auch häufiger an Krebs? Laut einer Studie von Wissenschaftlern der Harvard School of Public Health schon.

15 Prozent erkrankten an Krebs

Neben verschiedenen Hauttumoren treten Krebs an Brust, Gebärmutter, Darm, Schilddrüse und Gebärmutterhals bei Berufsfliegern öfter auf, berichten die Forscher im Fachjournal „Environmental Health“. Sie hatten die Angaben von mehr als 5300 überwiegend weiblichen Flugbegleitern zu ihrem Arbeitsleben und ihrem Gesundheitszustand mit den Daten von 5000 Teilnehmern einer nationalen Gesundheitsstudie der US-Gesundheitsbehörde CDC verglichen.

Besonders deutlich war der Unterschied zwischen den Gruppen beim Hautkrebs: Mehr als doppelt so viele Flugbegleiterinnen (2,2 Prozent) entwickelten Melanome, und sogar gut vier Mal so viele (7,4 Prozent) andere Formen von Hautkrebs. Auch die vielfliegenden Männer, die nur nach Hautkrebs befragt wurden, schnitten schlechter ab – allerdings erkrankten sie insgesamt deutlich seltener als ihre Kolleginnen. Insgesamt hatten rund 15 Prozent des Flugpersonals eine Krebsdiagnose erhalten.

Doch ist wirklich die Arbeit Schuld?

„Gemessen an den niedrigen Raten von Übergewichtigen und Rauchern in dieser Berufsgruppe ist das Ergebnis auffallend“, sagt Ko-Autorin Irina Mordukhovich. Die Funde bestätigten vorhergehende Studien zum Thema. Seit langem ist bekannt, dass die Hautkrebsrate unter langjährigen Berufsfliegern erhöht ist. Anders als in den USA wird in Europa deshalb die Strahlenbelastung von Piloten und Co überwacht und beschränkt, so dass eine bestimmte Dosis im Jahr nicht überschritten wird.

Die Studienerkenntnisse zu Brust- und Hautkrebs seien nicht neu, sagen auch Experten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Sie seien jedoch mit Vorsicht zu interpretieren: So könnten erhöhte Brustkrebsraten auch damit in Zusammenhang stehen, dass Flugbegleiterinnen insgesamt weniger und oft relativ spät Kinder bekämen. „Beide Faktoren erhöhen das Brustkrebsrisiko.“

In der Studie der US-Forscher hatten vielfliegende Frauen ohne Kinder, aber auch die mit drei oder mehr Kindern ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Möglicherweise trügen höherer Stress und chronischer Schlafmangel bei den Frauen mit mehreren Kindern zum erhöhten Brustkrebsrisiko bei, sagen die Forscher.

Für Gelegenheits- und Urlaubsflieger ist die Gefahr sehr gering

Mit Blick auf die höheren Hautkrebsraten bleibe außen vor, wie oft die Betroffenen sonst in die Sonne gingen, heißt es beim BfS. Die UV-Strahlung stellt nach Einschätzung des Bundesamts im Flieger eine geringere Gefährdung dar, problematischer sei die kosmische Strahlung. „Sie ist in erster Linie abhängig von der Flughöhe, der Flugdauer sowie dem Zeitpunkt.“ So können Sonnenaktivitäten von Zeit zu Zeit die ionisierende Strahlung verstärken.

Die rund 40.000 überwachten deutschen Flugbegleiter und Piloten sind laut Bundesamt im Durchschnitt einer Strahlung von 2,5 Millisievert ausgesetzt. Der Jahresgrenzwert für Menschen, die im Beruf Strahlen ausgesetzt sind, beträgt 20 Millisievert. Für Gelegenheits- und Urlaubsflieger sei die Gefahr durch die Höhenstrahlung sehr gering, Schwangere und Kleinkinder inbegriffen. Auch auf der Erde bekommt in Deutschland jeder Mensch jährlich im Durchschnitt 2,1 Millisievert natürliche Strahlung ab.

(HNA, 26.6.18, dpa/asu/RND)

 

 

Neueste Zahlen – auch jene aus Lüchow-Dannenberg

Krebs durch den Castor? Gesundheitsamt legt erstmals belastbare Zahlen vor

Das atomare Zwischenlager Gorleben, in Hintergrund die Castor-Behälter: Die Transporte durch die Region sorgten stets für Befürchtungen einer Gesundheitsbelastung der Bevölkerung.

Lüchow. Sie war ständig präsent: Die Befürchtung, dass der in Gorleben eingelagerte Atommüll oder die zurückliegenden Castor-Transporte einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Neue Auswertungen des Landeskrebsregisters lassen einen solchen Schluss hingegen nicht zu.

Zum ersten Mal sind in den neuesten Zahlen, die aus dem Jahr 2013 stammen, auch jene aus Lüchow-Dannenberg nahezu vollständig enthalten.

Dr. Gerhard Wermes, Leiter des Gesundheitsamtes Uelzen/Lüchow-Dannenberg, lobte, dass es erstmals gelungen sei, rund 90 Prozent der hiesigen Krebsfälle zu melden. Er bezeichnet diese Entwicklung als „großen Schritt der Ärzteschaft nach vorne“. Für die häufigsten Krebsarten lauten die Lüchow-Dannenberger Zahlen:

Prostatakrebs...

...ist die häufigste Krebserkrankung bei den Männern. In den Jahren 2008 bis 2012 hat es im Schnitt 41 solcher Fälle pro Jahr gegeben. Ein relativ niedriger Wert, den Wermes auf „zu wenige Meldungen“ zurückführt.

Brustkrebs...

...ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In den Jahren zwischen 2008 und 2012 erkrankten im Schnitt jährlich rund 56 Frauen daran, 2013 waren es 51. Wermes ordnete den Wert als leicht, aber statistisch nicht evident und deshalb zufällig erhöht ein.

Lungenkrebs...

...ist bei Männern die zweithäufigste und bei Frauen die dritthäufigste Krebsart. Zwischen 2008 und 2012 erkrankten daran im Schnitt jährlich 29 Männer und zwölf Frauen, 2013 waren es 27 Männer und 16 Frauen. Das entspricht einer leichten, aber statistisch laut Wermes nicht signifikanten Erhöhung.

Darmkrebs...

...ist bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebsart. Zwischen 2008 und 2012 erkrankten pro Jahr durchschnittlich 23 Männer und 25 Frauen daran, 2013 waren es 25 Männer und 24 Frauen. Die Werte bewegten sich laut Wermes leicht unter dem Schnitt, allerdings ebenfalls ohne Signifikanz.

Schilddrüsenkrebs

Diese Erkrankung ist zwar selten, für die Lüchow-Dannenberger Auswertung aber nicht unerheblich, weil unter anderem radioaktive Strahlenbelastung die Krankheit auslösen kann. Doch die Fallzahlen – zwischen 2008 und 2013 erkrankten im jährlichen Durchschnitt 0,4 Männer und eine Frau – bewegen sich deutlich, wenn auch nicht statistisch signifikant, unterhalb des Durchschnitts.

Leukämie

Atomare Strahlung kann auch Blutkrebs auslösen. Doch auch bei dieser Erkrankung gilt laut Wermes: Die Zahlen sind zwar leicht, aber nicht signifikant erhöht. Zwischen 2008 und 2012 erkrankten durchschnittlich sechs Männer und vier Frauen daran, 2013 waren es sechs Männer und fünf Frauen. Wermes betonte, dass auch er sich die Lüchow-Dannenberger Leukämie-Zahlen sehr genau ansehe, bisher aber nie eine Auffälligkeit zu entdecken gewesen sei.

(Allgemeine Zeitung Uelzen, 24.9.16, Benjamin Piel)

 

 

Hautkrebs: Auf diese Symptome sollten Sie achten

Die Haut kann so manches wegstecken. Aber wer sich ungeschützt der Sonne aussetzt, lebt gefährlich. Im schlimmsten Fall droht Hautkrebs. Auf welche Warnsignale man achten sollte.

Wenn die Sommersonne vom Himmel brennt, lebt die Haut besonders gefährlich. Das Risiko für Hautkrebs werde von vielen unterschätzt, sagen Experten. Besonders hellhäutige Menschen, die sich leicht einen Sonnenbrand einfangen, seien gefährdet. Ein Überblick über zentrale Fakten zu schwarzem und weißem Hautkrebs: 

Über die Jahre sammelt die Haut die Schäden an, sagt der Ärztliche Koordinator des Hauttumorzentrums Mannheim, Jochen Sven Utikal. «Sind genügend Schäden vorhanden, funktioniert die Reparatur der Zellen nicht mehr effektiv - dann kommt es zum Krebswachstum.» Risikofaktoren für Hautkrebs sind laut Experten schwere Sonnenbrände, vor allem in der Kindheit, und Solarienbesuche. «Gebräunt zu sein ist nach wie vor ein Schönheitsideal - dabei gibt es die gesunde Bräune nicht», sagt Oberärztin Jessica Hassel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Die Bräune zeige an, dass die Haut geschädigt worden sei - und sich das nächste Mal schützen wolle.

Hautkrebs-Symptome: Wenn's blutet und juckt

Anfangs haben die meisten Menschen beim schwarzen Hautkrebs Experten zufolge so gut wie keine Beschwerden. «Man sieht einfach ein Muttermal, das sich verändert hat», erläutert Utikal. «Beim weißen Hautkrebs wächst irgendetwas, ein Knötchen an der Haut, oft im Gesicht.» In beiden Fällen könne es bluten und jucken. Während der weiße Hautkrebs überwiegend an Körperstellen auftritt, die oft der Sonne ausgesetzt sind, kann sich der schwarze Hautkrebs laut Medizinern auch anderswo bilden.   

Weißer Hautkrebs häufiger als schwarzer

Der schwarze Hautkrebs tritt viel seltener auf als der weiße. «Bei schwarzem Hautkrebs gehen wir pro Jahr von 22 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner aus», sagt Facharzt Uwe Reinhold vom Dermatologischen Zentrum Bonn Friedensplatz. Er komme besonders oft zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr vor und mit Mitte 50. Experten beobachten in den vergangenen Jahren einen Anstieg bei jungen Frauen. Bei dem hellen Hautkrebs spricht Reinhold von bis zu 400 Neuerkrankungen im Jahr pro 100.000 Einwohner. «Weißer Hautkrebs tritt häufiger bei Männern auf, die durch fehlende Kopfhaare oder Berufe unter freiem Himmel eher gefährdet sind.»

Schwarzer Hautkrebs kann Utikal zufolge schon ab einem Millimeter Tumordicke streuen, das mache ihn so heimtückisch. Betroffen sein könnten etwa Lymphknoten, Lunge und Gehirn. «Dort wächst er weiter und kann lebenswichtige Strukturen schädigen.» Sei dieser Krebs erst einmal weit fortgeschritten, könne er nur sehr schwierig behandelt werden, sagt Hassel. «Es gehört auch eine Portion Glück dazu, zu denen zu gehören, die das langfristig packen.»

Die Medizinerin geht davon aus, dass heute wegen neuer Therapien bei etwa 35 Prozent der Patienten der gestreute schwarze Hautkrebs langfristig kontrollierbar ist. «Das bedeutet aber auch, dass wir mehr als 50 Prozent der Patienten nicht langfristig helfen können und sie daran sterben. Da können wir allenfalls eine Lebensverlängerung erreichen.» Laut Reinhold ist der schwarze Hautkrebs im Alter von 18 bis 30 Jahren die zweithäufigste Todesursache.

Schwarzer Hautkrebs zwingt zur Operation

Der helle Hautkrebs streut sehr viel seltener. Er könne aber die Lebensqualität der Patienten deutlich einschränken, weil oft operiert werden müsse, sagt Reinhold. «Meist sind das sonnenexponierte Stellen wie Nase oder Ohren und das kann verbunden sein mit Funktionseinschränkungen.» Hassel erläutert, je mehr Tumoren jemand habe, umso mehr OPs müsse er über sich ergehen lassen. «Das kann prinzipiell zu einer Entstellung führen.» Das Risiko, dass der weiße Hautkrebs streue, sei aber bei einem gesunden Immunsystem klein.

Beim schwarzen Hautkrebs gibt es Mediziner Reinhold zufolge im Anfangsstadium keine Alternative zur Operation. Hat der Tumor gestreut und kann nicht mehr operiert werden, gibt es neue Therapien, die das Immunsystem gegen den Tumor stimulieren, wie Utikal aus Mannheim sagt. «So kann man versuchen, dass der Patient möglichst lange gut lebt.»

Bei sehr frühen Formen von weißem Hautkrebs kann laut Reinhold eine Tumortherapie mit Medikamenten eingesetzt werden, verabreicht als Creme. «Außerdem gibt es noch die photodynamische Therapie, bei der man mit Creme und Licht behandelt. Bei einem weiter fortgeschrittenen Tumor ist die Operation die Therapie der Wahl.» 

Vorsorge besonders wichtig

Die Heilungschancen hängen davon ab, in welchem Stadium die Krankheit entdeckt und behandelt wird. Beim schwarzen Hautkrebs sei eine früh erkannte, dünne Geschwulst in hohem Maße heilbar, sagt Reinhold. «Bei den Frühformen beträgt die Heilungschance 93 Prozent. Wenn man zu lange gewartet hat, sinken die Heilungschancen auf bis unter 50 Prozent.» Dank neuartiger Therapien haben sich Utikal zufolge die Prognosen im fortgeschrittenen Stadium massiv verbessert.

Die Heilungschancen beim weißen Hautkrebs sind den Experten zufolge sehr gut. Hassel sagt, nach Operationen betrügen sie für den einzelnen Tumor fast 100 Prozent. Ein Problem sei aber, dass in der Folge meist weitere Tumoren entstünden.

(Augsburger Allgemeine, 1.7.16, Christine Cornelius/dpa)

 

 

Bis zu 80 Prozent!

Feinstaub erhöht Sterberisiko durch Krebs deutlich

Ältere Menschen, die dauerhaft einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt sind, haben ein deutlich erhöhtes Sterberisiko für verschiedene Krebsarten. Das geht aus der Studie eines internationalen Forscherteams hervor, das hierfür über mehrere Jahre die Todesursachen von Zehntausenden Menschen in Hongkong untersucht hat.

Die Studie mache deutlich, dass Feinstaub in Großstädten weltweit "so viel und so schnell wie möglich reduziert werden muss", sagte Mitautor Neil Thomas von der britischen Universität Birmingham.

Bis zu 80 Prozent höheres Risiko

Bei einer um zehn Mikrogramm erhöhten Konzentration von Feinstaub pro Kubikmeter Luft erhöhte sich das Risiko, an Krebs im oberen Verdauungstrakt zu sterben, um 42 Prozent, so die Wissenschaftler. Das Sterberisiko durch Krebs an der Leber, Pankreas oder Gallenblase stieg demnach um 35 Prozent. Bei Frauen nahm das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, sogar um 80 Prozent zu, wie die Forscher berichteten. Die Experten aus Hongkong und Großbritannien veröffentlichten ihre Studie im Journal "Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention".

Höchst gefährliche Mikropartikel

Als Feinstaub werden winzige Partikel bezeichnet, die eine gewisse Zeit in der Luft schweben. Ursprung der Schadstoff- Teilchen können etwa Dieselruß, Reifenabrieb oder Abgase von Industrie- , Kraftwerks- oder Heizungsanlagen sein. Je nach Größe und Eindringtiefe der Teilchen sind die gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub verschieden.

Als besonders gefährlich gelten ultrafeine Teilchen mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser (PM2,5), die sich tief in den Bronchien und Lungenbläschen festsetzen oder sogar ins Blut übergehen können.

(Kronenzeitung/Wien u.a., 7.5.16)

 

 


Nach ARD "Markencheck"-Recherche:

Tchibo ruft Kinderspielzeug zurück

Der ARD Markencheck hat in einem Spielzeug aus dem Tchibo-Sortiment einen gesundheitsschädlichen Stoff entdeckt. Für den "Tchibo-Check" (Montag, 02.05., 20:15 Uhr im Ersten) ließen die WDR-Reporter eine ferngesteuerte Spielfigur der "Minions" ("Kevin") im Labor untersuchen.

Dabei wurden hohe Mengen des Stoffs Naphthalin in der aufblasbaren Spielfigur gefunden. Naphthalin kann u.a. zu starken Haut- und Atemwegsreizungen führen und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Unbedenklich sind laut Labor Naphthalin-Werte unter 2 mg/kg. Der gemessene Naphthalin-Wert im PVC-Hauptmaterial des "Minions" beträgt 74 mg/kg. Auch in den Rollen des fernsteuerbaren Spielzeugs wurde ein hoher Naphthalin-Wert von 45 mg/kg gemessen.

Krebserregende Stoffe: Vorsicht bei ferngesteuerter Minion-Spielfigur

Tchibo verkaufte die "Minion"-Spielfigur "Kevin" im Weihnachtsgeschäft 2015. Das Hamburger Unternehmen sagt, aufgrund der Anfrage des Markenchecks habe man ebenfalls einen "Minion" auf Naphthalin-Werte überprüfen lassen. Laut Tchibo "entsprechen auch diese Werte nicht den Anforderungen, die wir an ein Produkt stellen". Daher habe man sich entschlossen, das Produkt zurückzurufen. Kunden werden gebeten, das komplette Set zurückzugeben.

(sba/news.de/PrDpa, 30.4.16)

 

 

Krebstherapie: Geografie der Genesung

Auch der Wohnort entscheidet darüber, ob eine Krebsbehandlung erfolgreich ist – wichtig ist eine kompetente Anlaufstelle.

Die Diagnose ist schlimm genug. Dass Krebs auch eine logistische Herausforderung ist, merken Betroffene und ihre Angehörigen, wenn es um die richtige Anlaufstelle für die Behandlung geht. Ist es für ein optimales Ergebnis womöglich entscheidend, wo man lebt? Diese Frage stellte die Deutsche Krebsgesellschaft in der letzten Woche mit ihrer Diskussionsveranstaltung „Therapiefaktor Wohnort – die Tücken der Versorgungslandschaft in der Onkologie“ in Berlin.

Es ist eine schockierende Frage, hat doch der Patient zumindest auf dem Papier einen Rechtsanspruch darauf, nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis behandelt zu werden. Ohne Ansehen der Person, ohne Ansehen auch des Ortes, an dem sie lebt.

Geringere Überlebenschancen in sozioökonomisch schwachen Landkreisen

Als im Juni 2014 eine Untersuchung aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) im Fachblatt „International Journal of Cancer“ veröffentlicht wurde, war deshalb die Aufregung groß. Lina Jansen und ihre Kollegen hatten für die 25 häufigsten Krebserkrankungen Informationen von rund einer Million Patienten zusammengetragen, die zwischen 1997 und 2006 ihre Diagnose bekommen hatten. Die 200 Landkreise, die sie dabei berücksichtigten, unterteilten sie nach Einkommen, Arbeitslosenquote, Rate an Verbrechen und Verkehrsunfällen in fünf Gruppen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Profil.

Die Forscher belegten, dass die Menschen in den Landkreisen, die in diesen Punkten schlechter abschnitten, auch hinsichtlich des Überlebens im Fall von Krebs schlechtere Chancen hatten. In den sozioökonomisch schwächsten Landkreisen hatten nach fünf Jahren im Schnitt nur 56,5 Prozent der Erkrankten überlebt, in den anderen deutlich über 60 Prozent. Die Ungleichheit war am größten, wenn man nur auf die ersten drei Monate und nur auf Krebsarten schaute, die sich heute schon recht gut behandeln lassen. Das lag nicht nur daran, dass Menschen aus ärmeren Regionen tendenziell erst in einem späteren Stadium der Krankheit ärztliche Hilfe suchen.

Zertifizierte Krebszentren

Auch aus anderen Ländern mit einem guten Gesundheitssystem waren zuvor schon ähnliche Ergebnisse gekommen. Unterschiede in der Erreichbarkeit spezialisierter Behandlungszentren dürften in einem Flächenland wie Kanada eine größere Rolle spielen. „Wer so viele Zentren hat wie wir, könnte glücklich sein“, sagte dagegen bei der Veranstaltung die ehemalige Brustkrebspatientin Ulla Ohlms, die sich als engagierte Patientenvertreterin heute für die Patienten-Tumorbank Path engagiert.

Sie meinte die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Organkrebszentren, von denen es inzwischen etwa für Brust-, Darm-, Lungen- und Prostatakrebs schon eine große Anzahl gibt. Von den Versicherten seiner Kasse würden heute 83 Prozent der Frauen mit Brustkrebs, aber nur 30 Prozent der Männer mit einem Prostatakarzinom in zertifizierten Zentren behandelt, berichtete Christoph Rupprecht von der AOK Rheinland/Hamburg. Die Brustzentren waren die ersten, die zertifiziert wurden.

Therapie gemäß Behandlungsleitlinien erhöht Lebensqualität

Zentrum, das meint in diesem Fall nicht unbedingt ein Gebäude und ein gemeinsames Dach. „Wichtig ist nicht der Ort, sondern die angegliederten Spezialisten“, sagte Jochen Heymanns vom Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen. Entscheidend ist, dass die Spezialisten sich regelmäßig treffen und über die Behandlung beraten. „Unsere Daten zeigen, dass es die Chance auf ein längeres Überleben erhöht, wenn man sich in diesem Rahmen behandeln lässt“, berichtete Rupprecht.

Die „Brenda“-Studie, die der gynäkologische Krebsspezialist Rolf Kreienberg an der Universität Ulm ins Leben rief und die Daten von mehr als 13 000 Frauen umfasst, belegt noch etwas anderes: Die Teilnehmerinnen, deren Therapie sich nach den Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften richtete, deren Empfehlungen sich auf gute wissenschaftliche Studien stützen, hatten bessere Chancen auf Heilung und gute Lebensqualität.

Was bringen zusätzliche Angebote?

Bringt es den Erkrankten zusätzlich einen Nutzen, wenn sie von ihrer Krankenkasse Angebote bekommen, die über die Empfehlungen der Leitlinien hinausgehen? Eine brisante Frage, denn solche Angebote gibt es nur punktuell. Im Rahmen des „Netzwerkes Genomische Medizin“ wird zum Beispiel einer Gruppe von Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg mit unheilbarem Lungenkrebs an der Uniklinik in Köln eine umfassende molekulare Tumordiagnostik angeboten. Getestet werden auch genetische Veränderungen des Tumors, denen heute noch nicht beizukommen ist. Auswertungen sollen zeigen, was das den Erkrankten langfristig bringt.

Schon heute empfiehlt die Leitlinie „Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom“ Untergruppen von Erkrankten einige dieser Tests, weil neue Mittel aus der Gruppe der Kinasehemmer ihnen die Chance auf ein längeres Leben ohne Fortschreiten der Krankheit oder sogar auf Heilung bieten. „In Feld-Wald-Wiesen-Kliniken gibt es aber Leute, die davon keine Ahnung haben“, kritisierte Heymanns. „Viele Krankenhäuser können die Tests nicht machen und schicken die Patienten dafür zum niedergelassenen Onkologen“, ergänzte Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft. Rupprecht nannte als nachahmenswertes Beispiel Frankreich, wo der Zugang zu Tests umfassend ist. „91 Prozent der Patienten erhalten sie, das Ergebnis liegt im Mittel nach 18 Tagen vor.“

Wichtiger als der Wohnort ist für Krebspatienten heute wahrscheinlich das Wissen um eine kompetente Anlaufstelle. Dass in den schwächeren Landkreisen die Überlebenschancen geringer sind, wie die DKFZ-Studie zeigte, lässt sich auch als Informationsdefizit deuten. Erste Informationen über Krebszentren, Kliniken und die Kriterien, auf die es ankommt, vermittelt neben dem Hausarzt, der in vielen Fällen die erste Anlaufstelle ist, zum Beispiel der Krebsinformationsdienst.

(Der Tagesspiegel, 27.4.16, Adelheid Müller-Lissner)

 

  

Steimbke: Zusammenhang mit Erdöl- und Erdgas-Förderung noch nicht nachzuweisen

Krebs-Häufigkeit knapp unter kritischem Wert

STEIMBKE - „Klar, mache ich mir Sorgen, aber es ist kein Platz für Ängste, Panik oder gar Hysterie!“ Knut Hallmann, Bürgermeister der Samtgemeinde Steimbke, empfing am Montag auf Einladung des Landkreises Fachleute und zahlreiche Vertreter verschiedener Medien, um über den aktuellen Stand der Untersuchungen bezüglich des Verdachts einer erhöhten Krebs-Häufigkeit in Verbindung mit der Erdöl- beziehungsweise Erdgasförderung in der Mitgliedsgemeinde Rodewald zu berichten.

Als Grundlage diente ihm und den übrigen Experten der Bericht des Krebsregisters zu Lymphom- und Leukämie-Erkrankungen in Rodewald. Neben Hallmann waren Dr. Torsten Vogel vom Fachbereich Gesundheitswesen und Manuel Wehr vom Fachbereich Umwelt des Landkreises Nienburg, Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt und Kathrin Otte vom gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke (Genuk) im Küsterhaus Steimbke erschienen. Sie verkündeten, dass die Krebs-Häufigkeit „nur knapp unterhalb des kritischen Wertes“ liegt.

Laut Untersuchungsbericht des Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) war – statistisch – für Rodewald in den Jahren 2005 bis 2013 von 12,7 Lyphom- und Leukämie-Erkrankungen auszugehen gewesen, die tatsächliche Zahl liege aber bei 20 Fällen. „Damit ist die Erkrankungs-Rate zwar erhöht, jedoch nicht als statistisch auffällig einzustufen“, besagt das Gutachten. Allerdings liege sie eben knapp unter dem kritischen Wert von 21 Fällen. In der Samtgemeinde seien 46 Neuerkrankungen (erwartet: 36,2) beobachtet worden, was eine statistisch ebenfalls nicht auffällige Erhöhung bedeute. Unter Hinzunahme der umfangreichen Zahlen des Kinderkrebsregisters sehe die Lage allerdings anders aus, so Dr. Vogel. In den Jahren 1987 bis 2014 seien in der Samtgemeinde sechs Fälle (erwartet: 1,7) dokumentiert, davon allein in Rodewald vier statt 0,6. Das sei sehr wohl „eine signifikante Erhöhung“, so der Mediziner.

„Wir müssen hier weitersuchen“

Für Michael Hoopmann vom Landesgesundheitsamt steht nach diesen Erkenntnissen fest: „Wir müssen hier weitersuchen.“ Und zwar nach Ursachen. Im Zentrum des Verdachts, als Auslöser der Erkrankungen infrage kommen zu können, steht nach einem auslösenden Bericht des Nordeutschen Rundfunks (NDR) aus dem Jahr 2014 das Gelände der BEB (Erdgas- und Erdöl-Gesellschaft) Rodewald, das inzwischen der Firma Wintershall gehört. Letztere hatte zuletzt umfangreiche Sanierungen mit dem Austausch von rund 10?000 Tonnen belasteten Erdreichs vorgenommen und zeige sich absolut kooperativ, so Samtgemeindebürgermeister Hallmann.

Ob die seit mehr als 50 Jahren laufende Förderung mit den Erkrankungen zu tun habe, sei verbindlich nicht zu beantworten, so die Experten. Es gelte nun, noch mehr der verteilten Fragebögen zurückzubekommen, um dann in persönliche Interviews einzusteigen mit dem Ziel, weitere Risikofaktoren zu ermitteln. Anhand der Resultate würden weitere Schritte eingeleitet, so Manuel Wehr. Er beteuerte: „Wir tun alles, was erforderlich ist!“

Derzeit, so Wehr weiter, liefen Untersuchungen weiterer Bohrschlammgruben, um zu erfahren, ob von denen Gefahren ausgehen. Ein Auge werfen die Experten dabei nicht nur auf die Wirkungen von Benzol, sondern auch auf Schwermetalle wie beispielsweise Quecksilber.

Kathrin Otte erklärte, dass überhaupt nicht bekannt sei, was vor Jahrzehnten alles in die Luft gelangt sei. „Es gibt keinerlei Aufzeichnungen und Messwerte, mit denen wir heute arbeiten könnten“, sagte sie. Es gelte dringend, jetzt damit zu beginnen und den Gesetzgeber aufzufordern, Werte für Umweltrisiken festzulegen.

Zu den Otte-Aussagen passe laut Manuel Wehr ein TÜV-Gutachten aus dem Jahr 1988 mit der Nachricht über einen um ein Vielfaches überschrittenen Wert der sogenannten Kaltgasfackel. „Da hätte das Bergamt reagieren müssen“, so Kathrin Otte. Es bestehe weiter Klärungsbedarf, weshalb der Landkreis unter Einschaltung des Landes geprüft wissen will, ob nachträglich auf der Basis des besagten Gutachtens von 1988 eine Immissionsprognose insbesondere für Benzol möglich ist. Aus dieser sei dann abzuleiten, ob und in welchen Bereichen auch Bodenbelastungen durch die Emissionen der Kaltgasfackel entstanden sein könnten. Abhängig von entsprechenden Erkenntnissen wolle der Landkreis orientierende Bodenuntersuchungen veranlassen, wie es Pressesprecher Torsten Rötschke, der auch die Begrüßung der Teilnehmer vorgenommen hatte, erklärte.

Der Bericht des EKN bestätige die Notwendigkeit des vom Landkreis Nienburg eingeschlagenen Weges, mehr über die einzelnen Fälle in Rodewald in Erfahrung bringen zu wollen. Nur so seien mögliche Ursachen zu erforschen, so das EKN. Unabhängig vom vorgelegten Bericht erklärt das Landesgesundheitsamt nach einer toxikologischen Bewertung der vorliegenden Umwelt-Gutachten zum ehemaligen BEB-Betriebsgelände Suderbruch, dass sich „ein gesundheitliches Risiko für die Wohnbevölkerung aus den Umweltdaten aus den Jahren 2011 bis 2014 nicht ableiten“ lasse.

Wie schwierig die Untersuchungen und der Nachweis eines Zusammenhangs zwischen Erdgas- und Erdöl-Förderung sowie den erhöhten Erkrankungs-Zahlen sind, beweist dieser Satz aus dem EKN-Bericht: „Die Bewertung, die Fallzahlen seien nicht signifikant erhöht, sagt aus, dass die beaobachtete Erhöhung auch nur rein zufällig zustandegekommen sein könnte. Die Einstufung, ab wann eine Erhöhung signifikant ist, hängt von der vorab festgestellten Fragestellung und Auswertungsstrategie sowie vor allem von den akzeptierten Unsicherheiten bei der Einstufung – den sogenannten Irrtumswahrscheinlichkeiten – ab.“

(Kreiszeitung.de, 11.4., Kurt Henschel)

 

 

Duftkerzen könnten Krebs auslösen

In Duftkerzen könnten mehr unerwünschte Stoffe enthalten sein, als bisher gedacht. Das ist das Ergebnis einer Studie am National Centre of Atmospheric Science an der University of York in Großbritannien. Vor allem Duftstoffe von Zitronen und Limonen sind gern verwendete Inhaltsstoffe für Duft- und Reinigungsprodukte sowie Raumerfrischer. Doch bei Kontakt mit Luft verwandelt sich der beliebte Duftstoff in Formaldehyd, das als ein potenzieller Krebsauslöser gilt.

Das ist nicht neu - bekannt ist, dass Formaldehyd giftig ist und neben der Möglichkeit, Krebs auszulösen, generell gewebezersetzend wirken dürfte. Es kann unter anderem Nasenbluten, Husten oder Augenbrennen auslösen.

Konzentrationen bis zu 100 Mal höher als vermutet

Die britischen Forscher waren jedoch überrascht, dass die in den untersuchten Produkten enthaltenen Limonenduftkonzentrationen bis  zu 100 Mal höher waren, als bisher gedacht. Und das sehen die Forscher aus einem weiteren Grund sehr problematisch. Moderne Wohnungen und Häuser sind so gut gedämmt, dass wenig Luft entweichen kann. Das erhöhe die Verweildauer der ohnehin bereits hohen Formaldehyd-Konzentrationen und könnte langfristig zu negativen Gesundheitsfolgen führen. Die größten Mengen wurden übrigens in Billigprodukten gefunden.

Manche Zimmerpflanzen können giftige Stoffe absorbieren

Studienleiter Alastair Lewis rät generell zu mehr Vorsicht bei der Verwendung von Duftkerzen oder duftenden Reinigungsmitteln. "Wir wissen nicht, welche Konsequenzen es hat, wenn man langfristig Formaldehyd ausgesetzt ist." Der beste Weg, Formaldehyd in geschlossenen Räumen zu vermeiden, sei regelmäßiges Lüften - besonders,  unmittelbar nachdem man Lufterfrischer oder Duftkerzen verwendet habe. Ebenso können Zimmerpflanzen helfen, Formaldehyd und andere giftige Stoffe zu absorbieren. Besonders gute Effekte fand Lewis in früheren Studien bei Efeu, Geranien und Farnen.

(kurier.at, 18.1.16, iteu)

 

 

Asbest löst Krebs aus: Nur Profis sollten ihn entfernen

Asbest wurde zwischen 1960 und 1990 in fast allen Gebäuden benutzt. Doch wer ihn entfernen möchte, muss dafür einen Profi holen.

Asbest ist eigentlich der ideale Baustoff, da er nicht riecht und auch nicht strahlt. Doch leider wird er verarbeitet zum Risiko für die Gesundheit. Werden die Fasern eingeatmet, steigt nämlich das Risiko für Krebs.

In Deutschland ist Asbest seit 1990 verboten. Doch davor wurde er in fast allen Gebäuden verbaut. Da Asbest besonders langlebig ist, kann er damit immer noch eine große Gefahr für die Gesundheit sein. Doch wann muss er entfernt werden?

Oft befindet er sich in Platten aus Asbet-Zement, die in Dächern oder Fassaden verbaut sind. In diesen Fällen muss er nicht zwingend entfernt werden. Der festgebundene Asbest ist kein Risiko für die Gesundheit. Gefährlich wird es aber, wenn Hobby-Handwerker den Zement einfach bearbeiten - und damit krebserregende Stoffe freisetzen.

Asbest im Haus: Handwerker dürfen ihn nicht entfernen

Neben dem festgebunden Asbest kann der Stoff aber auch nur lose gebunden im Haus vorliegen. In diesem Fall kann er leichter Fasern abgeben. Das ist beispielsweise im Fensterkitt oder bei Fußbodenklebern der Falll.

Hausbesitzer sollten dann auf jeden Fall Profis holen. Auch vor dem Einbau einer Heizung sollte beispielsweise ein Fachmann gefragt werden. "Am Ende hat der Bauherr die Gewissheit, wo sich Asbest und andere Gefahrenstoffe im Haus befinden und kann das bei der Planung der Arbeiten berücksichtigen",  sagt Jörg Wohlgemuth, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen der IHK Offenbach am Main.

Handwerker dürfen Asbest nicht entfernen - denn das kann tödliche Folgen haben. In jedem Fall sollten daher Fachfirmen gerufen werden.

(Augsburger Allgemeine, 21.12.15)

 

 

Asbest lauert dort, wo man ihn nie vermuten würde

Asbest gilt als extrem krebserregend: Der Stoff wurde einst in 3000 Produkten eingesetzt. Stichproben zeigen, wo Asbest in Gebäuden noch immer allgegenwärtig ist. Heim- und Handwerker sind gefährdet.

Die Gefahr durch krebserregenden Asbest in Dachplatten oder an Fassaden ist seit Langem bekannt. Doch Experten zufolge wird das Risiko durch andere Gefahrenquellen bislang unterschätzt.

Der Stoff gilt als extrem gesundheitsgefährdend. Er zerteilt sich in feine Fasern, die leicht eingeatmet werden können. Das kann zu einer chronischen Entzündung der Lunge führen und letztlich Krebs verursachen. Asbestose, also Lungenverhärtung, ist bereits seit 1936 als Berufskrankheit anerkannt.

Viele Mieter, Wohnungs- und Hausbesitzer wissen nicht, dass auch in ihren Wohnräumen Asbest verbaut ist. Doch laut Experten wurde der gefährliche Stoff zwischen 1960 und 1990 in mehr als 3000 Produkten eingesetzt. Etwa 70 Prozent des Asbests gelangten als Asbestzement in die Häuser.

"In Häusern, die zwischen 1960 und 1990 gebaut wurden, ist mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit Asbest zu finden", sagt Torsten Mußdorf, Geschäftsführer des Norddeutschen Asbestsanierungsverbandes (NAV).

In Deutschland sei die Verwendung neuer Asbestprodukte seit 1990 zwar verboten, erklärt Rolf Packroff von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund. "Aber Asbest ist wegen seiner Langlebigkeit noch immer allgegenwärtig."

Tödliche Fasern in Putzen und Fliesenkleber

In den meisten Fällen befindet er sich in Platten aus Asbestzement, die in Dächern, Fassaden oder Luftschächten verbaut wurden. Auch Carports wurden gern mit diesen Platten errichtet. "Dabei handelt es sich um fest gebundenen Asbest. Der kann ruhig im Haus bleiben, es gibt keine Verpflichtung, ihn zu entfernen", erklärt der Fachmann. "Auch gesundheitlich sind solche Asbestprodukte für Bewohner älterer Gebäude in der Regel kein Risiko", betont Packroff.

Voraussetzung ist allerdings, dass sie in Ruhe gelassen werden. "Gefährlich wird es, wenn Asbestprodukte nicht erkannt und ohne ausreichende Schutzmaßnahmen bearbeitet werden."

Neben dem festgebundenen Asbest kann sich auch noch jede Menge schwach gebundener Werkstoff im Haus finden. "Der ist gefährlicher als der fest gebundene, weil er dazu neigt, Fasern abzugeben", erklärt Mußdorf.

Asbest ist oft in Fliesenkleber, Fensterkitt, Dichtungsschnüren, Rohrummantelungen, aber auch in Fußbodenklebern enthalten. "Ein Laie kann ihn dort kaum identifizieren." In Fachkreisen ist seit Langem bekannt, dass auch Putze und Spachtelmassen Asbest enthalten können.

"Frühere Untersuchungen konzentrierten sich auf Spachtelmassen von Leichtbauwänden und spezielle Putze, zum Beispiel Sockelputze", sagt Jörg Wohlgemuth, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen der IHK Offenbach am Main.

Asbest kann auch im Flächenspachtel stecken

Neuere Analysen belegen aber, dass asbesthaltige Putze in weitaus mehr Fällen Verwendung fanden. Betroffen sind insbesondere Putze, von denen erhöhte Reißfestigkeit gefordert wird, zum Beispiel in Heizungsnischen, Fensterlaibungen und an Türanschlüssen. Aber auch Flächenspachtel, zum Beispiel auf Beton.

Laut Gesamtverband Schadstoffsanierung ist davon auszugehen, dass in etwa einem Viertel der vor 1995 errichteten Gebäude asbesthaltige Spachtelmassen oder Fliesenkleber verbaut sind. Bundesweite Aussagekraft hätten die bisher nur vereinzelt gesammelten Stichproben jedoch nicht, sagt Wohlgemuth.

Das Thema Asbest im Innenraum sei durch Untersuchungen wieder neu entdeckt worden. Bei einem Pilotprojekt in Hamburg sind an Wandputzen an Schulen in 15 Prozent der Proben Asbest entdeckt worden.

Es fehlten immer noch mehr systematische Untersuchungen, die etwas über die Freisetzung bei Bauarbeiten an asbesthaltigen Flächen aussagen, so Wohlgemuth. Solche Prüfungen wären wichtig, um die Gefährdung besser einschätzen zu können. "Nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für die Menschen im Umfeld der Baumaßnahme."

Was bei Sanierungsarbeiten zu beachten ist

Im Jahr 2012 starben laut einem Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mehr als 1500 Menschen in Deutschland an den Folgen einer schweren asbestbedingten Erkrankung. Die Krankheiten treten oft mit mehr als 30 Jahren Verzögerung auf. Insgesamt starben zwischen 1994 und 2012 mehr als 26.000 Menschen an den Folgen.

Wegen der fehlenden gesicherten Erkenntnisse über die frühere Verwendung in Innenräumen sei auch die Bauwirtschaft verunsichert, so Wohlgemuth. "Für den einzelnen Sanierungsfall müssen viele Proben aus einem Haus gesammelt werden, um etwas über den Asbestgehalt aussagen zu können."

Um sich und sein Umgebung nicht in Gefahr zu bringen, sollte zuerst einen Fachmann befragt werden, bevor man in einem älteren Gebäude Hand anlegt. Dabei muss es sich nicht einmal um eine komplette Sanierung handeln, schon der Einbau einer neuen Heizung oder das Verlegen einer Elektroanlage sollte Anlass für eine Asbestprüfung sein.

Finden sich Anhaltspunkte für eine Asbestbelastung, wird der Experte Proben nehmen und diese auswerten lassen. "Am Ende hat der Bauherr die Gewissheit, wo sich Asbest und andere Gefahrenstoffe im Haus befinden, und kann das bei der Planung der Arbeiten berücksichtigen."

Das schützt den Hausbesitzer auch vor Schadenersatzforderungen. "Der Bauherr ist verantwortlich für sein Haus", stellt Wohlgemuth klar. "Er muss die beauftragten Firmen informieren, dass Asbest verbaut wurde, und möglichst auch, wo."

Tödlicher Leichtsinn für Heimwerker

Rolf Packroff von der BAuA ergänzt: "Grundsätzlich müssen Asbestprodukte von Fachfirmen entfernt werden, für Heimwerker ist das verboten." Denn für diese Arbeiten gelten strenge Schutzmaßnahmen entsprechend der Gefahrstoffverordnung und der Technischen Regel TRGS 519. "Nur Firmen, die über staatlich geprüfte sachkundige Mitarbeiter verfügen, dürfen solche Asbestarbeiten ausführen."

Ebenfalls in den meisten Fällen für Privatleute verboten ist das Entfernen von Asbestzement. "Es ist tödlicher Leichtsinn, wenn Bauherren, um Geld zu sparen, selbst Bauteile aus ihrem Haus ausbauen", sagt Mußdorf.

Denn ist Asbest enthalten, werden beim Sägen, Bohren, Schleifen, aber auch beim einfachen Zerschlagen von Teilen viele Fasern freigesetzt. Und der Asbest versteckt sich eben oft dort, wo viele ihn nicht vermuten. Wer zum Beispiel alte Fußbodenplatten herausreißt, riskiert eine Asbestbelastung der Räume, weil sie brechen oder Reste zurückbleiben könnten. "Oder auch nur das Absägen einer Fensterbank kann die ganze Wohnung kontaminieren."

Deswegen gelten für Asbestarbeiten strengste Vorsichtsmaßnahmen. Werden Spritzasbest, Brandschutzpappen und andere besonders asbesthaltige Produkte entfernt, muss der gesamte Sanierungsbereich vollständig abgeschottet und unter Unterdruck gehalten werden.

Personen dürfen nur durch Schleusen hinein- und hinausgehen, müssen nach der Arbeit duschen und sich vollständig umkleiden. "In diesem sogenannten Schwarzbereich sind Atemschutzgeräte und Vollschutzanzüge Pflicht", sagt Packroff.

Bei Asbestzement ist zwar kein Schwarzbereich erforderlich, wohl aber sind Atemschutz und Staubschutzoveralls vorgeschrieben. "In Altbauten sollte grundsätzlich auf staubfreies Arbeiten geachtet werden, sowohl von Handwerkern als auch von Heimwerkern", sagt Packroff.

Nicht nur wegen des Asbests, sondern auch wegen anderer möglicher Schadstoffe. "Als Faustregel gilt: Möglichst feucht arbeiten, Atemschutz benutzen und den Staub gut absaugen."

(Die Welt, 21.12.15, Katja Fischer)

 

 

Gefährliche Abgase

Kinder an Autobahnen bekommen eher Krebs

Das Risiko an Leukämie zu erkranken, ist für Kinder, die direkt an Autobahnen wohnen, deutlich höher als bei jenen, die weiter entfernt davon zu Hause sind.

Jährlich erkranken in der Schweiz 200 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an Krebs. Damit ist die Krankheit nach Unfällen die wichtigste Todesursache in der Altersgruppe. Als Ursachen werden neben der genetischen Veranlagung auch Umwelteinflüsse angenommen. Besonders Autoabgase stehen im Verdacht, da sie Benzol und andere bekannte krebserregende Stoffe enthalten.

Eine Studie von Berner Forschern hat diesen Zusammenhang nun erhärtet, wie sie im «European Journal of Epidemiology» schreiben. Das Team um Ben Spycher und Claudia Kuehni vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (ISPM) untersuchte für den Zeitraum von 1985 bis 2008 die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern, die weniger als 100 Meter, 100 bis 250 Meter, 250 bis 500 Meter und über 500 Meter von der nächsten Autobahn oder -strasse entfernt wohnen.

Zwei Methoden, ein Ergebnis
Dabei stützten sich die Forscher auf Daten des Schweizer Kinderkrebsregisters (SKKR) und der Schweizerischen National Kohorte (SNC), die alle in den Volkszählungen 1990 und 2000 erfassten Kinder einschliesst, insgesamt über 2 Millionen. Aufgrund dieser Daten verglichen die Forschenden anhand von zwei Untersuchungsmethoden die Leukämiehäufigkeit in den verschiedenen Distanzkategorien.

Bei der ersten Methode wurden nur Fälle gezählt, die man zum Zeitpunkt der beiden Volkszählungen erfasst hatte, bei der zweiten, etwas weniger präzisen Methode orientierten sich die Wissenschaftler an einem grösseren Zeitraum. Die erste Methode ergab insgesamt 1783, die zweite Methode insgesamt 4263 Krebsfälle.

Erhöhtes Risiko

Beide Methoden zeigten sehr ähnliche Resultate: Für Leukämien wurde bei Kindern in der Distanzkategorie unter 100 Meter ein um 47 Prozent (erste Methode), beziehungsweise 57 Prozent (zweite Methode) erhöhtes Risiko gefunden im Vergleich zu Kindern, die mehr als einen halben Kilometer zur nächsten Autobahn oder Autostrasse wohnten.

«Zwar erkrankten in dieser Distanzkategorie im Beobachtungszeitraum ‹nur› 30 Kinder an Leukämien», sagte Claudia Kuehni in einer Mitteilung der Universität Bern. «Bezogen auf Personenjahre entspricht dies jedoch einer Leukämierate von 7,2 Fällen pro 100'000 Personenjahren im Vergleich zu 4,5 Fällen pro 100'000 Personenjahren bei Kindern, die weiter als 500 Meter von einer Autobahn oder Autostrasse entfernt lebten.» Dieser Unterschied sei trotz der tiefen Fallzahlen statistisch signifikant.

Bei Kleinkindern relevant

Untersucht wurden Kinder und Jugendliche von 0 bis und mit 15 Jahren. Die Risikoerhöhung konnte jedoch nur in der Altersklasse von 0 bis 4 Jahren festgestellt. Bei den Älteren gab es keine Unterschiede zwischen den einzelnen Distanzkategorien, wie Ben Spycher auf Anfrage sagte.

Für andere Krebsarten, etwa Hirntumore und Lymphome, fanden die Forscher keine klaren Hinweise auf ein erhöhtes Risiko. Dass lediglich bei Leukämien ein erhöhtes Risiko gefunden wurde, deuten die Forscher als Indiz, dass Benzol eine mögliche Ursache darstellt. So ist bekannt, dass eine hohe Benzolbelastung am Arbeitsplatz bei Erwachsenen Leukämien auslösen kann.

(20min.ch, 3.11.15, jcg)

 

 

Giftskandal

Polizisten nach Schießtraining an Krebs erkrankt

Polizisten, die an Krebs erkranken, weil sie beim Schieß-Training giftigen Dämpfen ausgesetzt sind. Und eine Behördenspitze, die die Gefahren kennt und ein Gutachten darüber unter Verschluss hält. Kein TV-Krimi, sondern bittere Realität bei der Berliner Polizei. Mit mindestens zehn an Krebs erkrankten Einsatzkräften. Und möglicherweise sogar zwei Todesfällen.

Jahrelang trainierten Polizisten, darunter auch die Spezialeinheiten SEK und MEK, in der ursprünglich militärisch genutzten Schießanlage an der Bernauer Straße. „Die Bahnen hier waren für 50 Meter Distanzschießen ausgelegt“, sagt Michael Böhl vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Und weiter: „Dementsprechend waren die Absauganlagen für die beim Schießen entstehenden und hochgiftigen Pulverdämpfe über der 50-Meter-Markierung angebracht.“ Doch die Polizisten schossen aus den üblichen 25 Meter Entfernung – und atmeten die somit kaum abgesaugten Dämpfe jahrelang ein. In gesundheitsschädlicher, möglicherweise sogar tödlicher Konzentration. Böhl: „Von rund 100 Polizisten, die regelmäßig dort trainierten, sind zehn Personen an Krebs erkrankt. Mindestens zwei davon sind gestorben.“

Zwar wurde die betroffene Halle 7 auf dem Areal wegen anderer Mängel 2013 geschlossen. Doch wie jetzt bekannt wurde, existiert bereits seit 2010 ein TÜV-Bericht, in dem unter anderem steht: „Diese Einrichtung ist nicht für Schüsse aus 25 Metern ausgelegt. Es ist erforderlich, die gesamte Lüftungstechnik anzupassen.“ Unklar ist bislang, wer in der Behördenspitze diesen TÜV-Bericht kannte. Und warum dennoch nicht gehandelt wurde. Fakt ist: Noch 2011 teilte die Senatsinnenverwaltung, damals unter Leitung von Dr. Ehrhart Körting (SPD), mit: „Bei Einhaltung der vorgegebenen Bedingungen besteht keine Gesundheitsgefährdung.“ Frank Henkel (CDU), der aktuelle Innensenator, sagt jetzt: „Falls es damals tatsächlich solche gravierenden Versäumnisse gegeben hat, muss das dringend aufgeklärt werden. Polizeipräsident Kandt wird unverzüglich eine Untersuchung einleiten. Wir werden das Ergebnis abwarten und uns weitere Schritte vorbehalten.“

Der Personalrat der Berliner Polizei will nicht erst auf eine langwierige Untersuchung warten. Und erstattete noch gestern Strafanzeige gegen unbekannt.

(Berliner Kurier, 16.10.15, P. Debionne)

 

Krebs-Gift in Möbeln des Museums nachgewiesen

Kunstsammlungen brauchen dringend neue Grafikschränke

(Chemnitz) Die Mitarbeiter der Kunstsammlungen am Theaterplatz waren offenbar über Jahre hinweg giftigen Gasen ausgesetzt. Die Einbauschränke im Grafikkabinett des Museums, die 1957 installiert worden waren, dünsten demnach krebserregendes Formaldehyd aus. Im Körper einer Mitarbeiterin seien Abbauprodukte der chemischen Verbindung nachgewiesen worden, teilte die Stadtverwaltung in einer Information an die Stadträte mit. Die Verantwortlichen sehen daher dringenden Handlungsbedarf und wollen sämtliche belastete Möbel demontieren und durch neue ersetzen lassen.

Das wird kein leichtes Unterfangen: Die 1923 gegründete Sammlung verfügt über einen Gesamtbestand von etwa 8000 Zeichnungen und 20.000 druckgrafischen Blättern. Sämtliche Arbeiten - unter anderem von Edvard Munch, Karl Schmidt-Rottluff und Lyonel Feininger - müssen ausgeräumt, gesichert und anschließend zwischengelagert werden. Dabei dürfen die belasteten Räume derzeit nur stundenweise betreten werden - bei ausreichender Lüftung.

Formaldehyd wird auch heute noch bei der Herstellung von Lacken, Farben und Klebern benutzt - wenn auch in geringerer Konzentration als noch vor Jahren. Am häufigsten anzutreffen ist es in Holzspanplatten, denn sie bestehen zu 50 Prozent aus Kleber, ein Viertel davon ist Formaldehyd.

(Freie Presse/Chemnitz, 2.10.15, su)

 

 

Ungewöhnlich hoher Anstieg der Krebs-Neuerkrankungen in Achim

In der niedersächsischen Stadt Achim (Landkreis Verden) hat die Auswertung des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Krebs-Neuerkrankungen festgestellt. In Achim seien „statistisch auffällig viele neu diagnostizierte Mesotheliom-Erkrankungen“ aufgetreten, berichtet der Landkreis Verden.

Das niedersachsenweite Monitoring des EKN hat auf regionaler Ebene das Auftreten der Krebserkrankungen analysiert und dabei eine ungewöhnliche Erhöhung von Krebsfällen in der Stadt Achim festgestellt. „Der Landkreis Verden wurde vom Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen über diese Auffälligkeit informiert“, berichtet der Landrat Peter Bohlmann (SPD). Nun sei eine umgehende Aufklärung der Befunde erforderlich, um Gewissheit bezüglich der Ursachen zu erhalten.

Deutliche Erhöhung der Krebserkrankungen bei Männern

In den Jahren 2008 bis 2012 wurden beim EKN vierzehn Fälle von Mesotheliom-Erkrankungen registriert, während auf der Basis der durchschnittlichen niedersächsischen Erkrankungszahlen lediglich vier Neuerkrankungen zu erwarten waren, berichte der Landkreis Verden. Die Erhöhung habe sich auch im Jahr 2013 fortgesetzt (sechs Fälle beobachtet, 0,8 statistisch zu erwarten). Die vertiefenden Analysen hätten gezeigt, dass die Erhöhung bei Männern, nicht jedoch bei Frauen vorliege. Sämtliche erkrankten Männer seien zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 60 Jahre gewesen, wobei dies im Vergleich zu der Altersverteilung der Mesotheliom-Erkrankungen bei Männern in ganz Niedersachsen keine Besonderheit sei. Auch hier würden 90 Prozent der Fälle im Alter über 60 Jahren auftreten.

Asbestbelastung Ursache der vermehrten Krebserkrankungen?

Mesotheliome gehören laut Angaben des Landkreises Verden „zu den eher seltenen Krebserkrankungen.“ Die bösartigen Bindegewebstumore, bei denen in der Regel das Rippenfell betroffen ist, würden oftmals durch einem Schadstoffkontakt mit Asbest ausgelöst, der vielfach beruflich bedingt sei. „Da Mesotheliom-Erkrankungen meistens durch Asbestbelastungen am Arbeitsplatz verursacht werden“, konzentrieren sich die aktuellen Nachforschungen zu den Ursachen der erhöhten Erkrankungszahlen in erster Linie auf berufliche Zusammenhänge der Betroffenen, berichtet der Leiter des Verdener Gesundheitsamtes, Dr. Bernhard Krüger. Angesichts der langen Latenzzeit dieser Erkrankung sei davon auszugehen, dass die auslösenden Belastungen mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Nun müsse zweifelsfrei geklärt werden, ob es sich um zurückliegende Belastungen aus der Arbeitswelt handele, ergänzt Landrat Peter Bohlmann.

Monitoring der Krebserkrankungen durch das EKN

Insgesamt erkranken in Niedersachsen laut offiziellen Angaben jährlich rund 48.000 Menschen neu an einem bösartigen Tumor und fast 22.000 Menschen versterben an einer Krebserkrankung. Die gemeldeten Erkrankungen und Todesfälle werden durch das EKN ausgewertet, um die gewonnen Daten für die Ursachenforschung, Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsplanung bereitzustellen. Das neu eingeführte Monitoring auf Gemeindeebene ermöglicht dabei einen interkommunalen Vergleich, der statistisch auffällige Krebshäufungen – wie in der Stadt Achim – leicht erkennbar macht. Allerdings ist dies nur der erste Schritt. Viel entscheidender ist, dass anschließend die Ursachen ermittelt und gegebenenfalls behoben werden.

(Heilpraxisnet, 10.7.15, fp)

 

 

„Abstandsstudie“ bestätigt Befunde im Kreis

Mehr Krebs an Erdgas-Förderstätten - doch die Gründe bleiben unklar

Rotenburg/Bothel - Von Michael Krüger und Jens Wieters. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den erhöhten Krebszahlen in Bothel und Rotenburg und der Erdgasförderung vor Ort? Das Land hatte Anfang des Jahres neue Untersuchungen in Auftrag gegeben. Mit der sogenannten Abstandsstudie wurden statistische Daten des Epidemiologischen Krebsregisters neu ausgewertet. Nun liegt das Ergebnis vor. Und es beantwortet die Frage nach einem Zusammenhang mit: „Könnte sein“.

Auf den ersten Blick klingt das, was am Dienstag im Gesundheitsausschuss des Landtags vorgestellt wurde, eindeutig. Das Ergebnis der vom Institut und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des Klinikums der Uni München durchgeführten Studie mit dem griffigen Titel „Zusammenhang von hämatologischen Krebserkrankungen und der wohnlichen Nähe zu Schlammgruben(verdachtsflächen) und zu Anlagen der Kohlenwasserstoffförderung in Niedersachsen“ sagt: „Die durch die kleinräumige Untersuchung in der Samtgemeinde Bothel bereits bestehenden Hinweise auf vermehrte hämatologische Krebserkrankungen in räumlicher Nähe zu Erdgasförderanlagen konnten durch diese Studie für den Landkreis Rotenburg bestätigt werden, nicht jedoch die Hinweise für eine räumliche Nähe der Fälle zu Bohrschlammgruben.“

Die Umweltepidemiologen aus München hatten im Auftrag des Ministeriums Krebsfälle in 15 Landkreisen untersucht, neben Rotenburg waren das Celle, Cloppenburg, Diepholz, Emsland, Gifhorn, Grafschaft Bentheim, Region Hannover, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Nienburg, Oldenburg, Uelzen, Vechta und Verden – alle die, die im Wesentlichen den sich über Niedersachsen erstreckenden Gürtel an Erdgas- und Erdölförderung abdecken.

Weitere Studien sollen folgen

Ein genereller Zusammenhang von der Wohnortnähe Erkrankter zu Förderanlagen oder Bohrschlammgruben wurde nicht erkannt, wohl aber erhärtete sich der Verdacht für die Region. Wie dieser zu begründen ist, lässt das Sozialministerium offen. „Zufall, konkurrierende Risikofaktoren sowie auch regionale mit der Gasförderung verbundene oder auch unabhängig von ihr existierende Faktoren könnten diese Beobachtungen der Studie erklären“, heißt es in der Mitteilung.

Es gebe aber den Bedarf für weitere Untersuchungen, unter anderem um einen möglichen Zusammenhang zwischen Erdgasförderung und Krebserkrankungen bei Frauen aufzuklären, teilte das Gesundheitsministerium mit. In der Samtgemeinde Bothel und in Rotenburg sind nach einer Auswertung des Krebsregisters von 2003 bis 2012 überdurchschnittlich viele Männer an Leukämie und Lymphomen erkrankt. 

Eine Befragung in Bothel hatte 2017 ergeben, dass die erhöhte Krebsrate mit nahe gelegenen Bohrschlammgruben zusammenhängen könnte. Vermutlich erst im Sommer wird es Ergebnisse der gleichzeitig mit der „Abstandsstudie“ angeschobenen „Humanbiomonitoring“-Studie geben, die die persönlichen, aktuellen Belastungen von Anwohnern Bothels mit Benzol und Quecksilber untersucht.

Bürgermeister fordert weitere Untersuchungen

Für Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle bestätigt die Studie, dass es zumindest eine statistische Kausalität zwischen der Erdgasförderung und den Krebserkrankungen gebe: „Diese Erhebung gibt unseren Befürchtungen recht, dass es tatsächlich einen Zusammenhang gibt.“ Jetzt müsse dringend erforscht werden, woran es liege. „Sind es vielleicht geografische Besonderheiten in unserer Region? Oder gab es ein Ereignis in der Vergangenheit, das uns jetzt wieder einholt? Denn oft dauert es Jahre, bis eine Krebserkrankung diagnostiziert wird.“ 

Für die Menschen in der Samtgemeinde Bothel sei die Ursachenforschung nach wie vor ein „extrem wichtiges Thema“, darum findet Eberle es „gut und richtig“, dass das Land finanzielle Mittel zur Verfügung stelle, um Anfang 2019 direkt in den betroffenen Ortschaften weitere Daten zu sammeln. „Durch diese Abstandsstudie ist jetzt gesichert, dass sich die weiteren Ermittlungen lediglich auf den Bereich der Erdgasförderung konzentrieren können“, so der Samtgemeindebürgermeister.

Auch für den CDU-Landtagsabgeordneten Eike Holsten aus Rotenburg Anlass, weitere Maßnahmen zu fordern: „Die Ergebnisse bringen uns wenig beruhigende Erkenntnisse. Die auffälligen Zusammenhänge der räumlichen Wohnortnähe speziell zu Erdgasförderanlagen sind weiter auszuwerten. Sowie auch der Umstand, dass bei der Krebshäufung in Bothel Männer signifikant waren und bei der Abstandsstudie und dem Fokus auf Erdgasförderung nun Frauen. Das Ministerium wird mit einer Folgestudie der Suche nach Ursachen von erhöhtem Krebsrisiko weiter nachgehen. Wir brauchen Gewissheit, dass es keine auslösenden Faktoren gibt, die bislang noch nicht beseitigt wurden.“ 

Holstens Parteikollege und Landrat Hermann Luttmann warnt indes vor voreiligen Schlüssen: „Wir werden uns jetzt den Abschlussbericht genauer anschauen und uns Anfang nächsten Jahres dazu mit den verschiedenen Arbeitsebenen sowie der Arbeitsgruppe zusammensetzen.“

(Rotenburger Kreiszeitung.de, 19.12.18, Michael Krüger)

 

Ministerium auf der Suche nach dem Krebs-Auslöser

Behörden brauchen Teilnehmer für Gesundheitsstudie

Rotenburg/Bothel - Was löst den Krebs aus? Auch im fünften Jahr nach Bekanntwerden der erhöhten Fallzahlen in Bothel und Rotenburg ist die Frage noch offen. Um der Antwort ein wenig näher zu kommen, hat das niedersächsische Sozialministerium zwei weitere Studien in Auftrag gegeben, um möglicherweise auslösende Faktoren zu erkennen. Für die Untersuchung individueller Belastungen werden nun Probanden gesucht.

Ist es schon „die letzte große Hoffnung, Ursachen zu finden“? Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle hat die beiden Studien so bezeichnet, als das Ministerium diese kurz vor Weihnachten angekündigt hatte. 440.?000 Euro sind in den Landeshaushalt eingestellt worden, um zum einen mit einer „Abstandsstudie“ Zusammenhänge der hämatologischen Krebserkrankungen und der wohnlichen Nähe Betroffener zu Bohrschlammgruben sowie Förderanlagen erkennen zu können, und um zum anderen mit einer „Humanbiomonitoring“-Studie die persönlichen, aktuellen Belastungen von Anwohnern Bothels mit Benzol und Quecksilber zu ermitteln. „Es ist eine Chance für die Region“, betont Ministeriumsmitarbeitern Sibylle Zielke, die die Studien am Mittwoch auch in der AG Erdgas des Kreistags vorgestellt hat.

Während die erste Untersuchung eine rein statistische Auswertung ist, geht es beim „Humanbiomonitoring“ quasi um einen Test am Menschen. Und dafür werden Freiwillige gesucht. 97 Teilnehmer braucht das federführende Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg aus der Samtgemeinde Bothel, 63 Probanden müssen aus zum Vergleich aus einer von der Erdgasförderung nicht betroffenen Region sein – mindestens.

Ergebnisse im Sommer 2019

Während sich Eberle für seine Samtgemeinde zuversichtlich zeigt, über Vereine und Institutionen wie Feuerwehren und das Rote Kreuz ausreichend Teilnehmer zu finden, sind die Bürgermeister im nördlichen Bereich des Landkreises, der für die Vergleichsgruppe infrage kommt, noch skeptisch. Mitte April sollen die Freiwilligen gefunden sein. „Das ist sportlich“, kommentierte Tarmstedts Samtgemeindebürgermeister die Pläne.

In Bothel suche man diejenigen, die von sich glauben, am meisten von den krebserregenden Stoffen betroffen zu sein, heißt es. Mindestens 18 Jahre alt müssten die Teilnehmer sein, möglichst nahe an einer Förderstätte oder Bohrschlammgrube leben und normale Leber- sowie Nierenfunktionen besitzen. Aussagekräftig würden die Ergebnisse, wenn sich mindestens 63 Nichtraucher und 24 Raucher meldeten. Diese müssen dann während zweier viertägiger Testphasen im Mai/Juni und Oktober/November Urinproben abgeben und ein kleines Gerät für Luftmessungen bei sich tragen. Gleiches gilt für die Teilnehmer in der Kontrollgruppe – dort würden aber keine Raucher als Teilnehmer benötigt. Im Sommer 2019 sollen die Ergebnisse der Studie vorliegen.

Nicht klar, welche Wirkstoffe den Krebs auslösen

Die Ursache der erhöhten Blutkrebszahlen bei älteren Männern in Bothel und Rotenburg, wie sie seit Herbst 2014 bekannt sind, wird damit aber noch nicht geklärt sein – selbst wenn jetzt Belastungen festgestellt werden. Naheliegend und auch im Untersuchungsdesign berücksichtigt ist natürlich der Verdacht, dass die Schadstoffe bei der in der Region weit verbreiteten Erdgasförderung austreten und so Krebs auslösen. Da aber die erhöhte Fallzahl in der statistischen Auswertung des epidemiologischen Krebsregisters nur bei älteren Männern aufgetreten ist, wird über weitere Auslöser diskutiert.

Nach der Befragung Betroffener durch das Landesgesundheitsamt hieß es vor einem Jahr: „Während sich die möglichen Industrie- und Gewerbequellen insgesamt unauffällig darstellten, zeigte die räumliche Nähe des Wohnortes zu Bohrschlammgruben einen Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang.“ Auffällig sei zudem „eine leichte Tendenz“ in der Berufsgeschichte zu betroffenen Männer in der holzverarbeitenden Industrie. Allerdings sei nicht klar, welche Wirkstoffe den Krebs ausgelöst haben könnten und auch nicht, wie die Schadstoffe an die Menschen gelangt sind. Zudem sei rätselhaft, warum nur Männer betroffen sind.

Wer an der Studie teilnehmen möchte, sollte sich beim Gesundheitsamt des Landkreises unter 04261?/?983 3203 oder per E-Mail gesundheitsamt@lk-row.de melden. www.lk-row.de

(Mediengruppe Kreiszeitung, 16.3.18, Michael Krüger)

 

Woher kommt der Krebs?

Untersuchungsergebnis liegt noch nicht vor

BOTHEL. Das Ergebnis der Ursachenforschung zu den gehäuften Krebserkrankungen in der Samtgemeinde Bothel lässt weiter auf sich warten.

Das teilte jetzt Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle nach einem Gespräch mit dem Rotenburger Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Stümpel mit: „Der hat gesagt, dass sich das verschiebt, weil viele seiner Mitarbeiter wegen der Flüchtlinge eingespannt sind. Ich habe ihm geantwortet, dass die Begründung verständlich sei, wir aber nicht länger warten können.“

Wann mit einem Ergebnis der Untersuchungen zu rechnen ist, ist nicht bekannt.

(Neue Presse, 23.12.15, SV)

 

 

Krebs in Bothel: Ärzte fordern mehr Kontrollen

Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse einer sogenannten Krebsbefragung in Bothel im Landkreis Rotenburg haben sich nun die Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges in der Angelegenheit zu Wort gemeldet. Vertreter der Regionalgruppe Rotenburg fordern eine unabhängige Studie mit Schadstoffmessungen über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren in dem Fall. Das Augenmerk solle dabei auf den "möglicherweise für ursächlich gehaltenen Stoffen" liegen, hieß es in einer Mitteilung.

(NDR, 11.5.17)

Erhöhen Bohrschlammgruben das Krebsrisiko?

In Bothel erkranken überdurchschnittlich viele Männer an Blutkrebs. Laut einer Untersuchung könnte das mit der Nähe zu Bohrschlammgruben und Erdgasförderstellen zu tun haben. Video (01:24 min)

Kontrollen "nicht von der Erdgasindustrie"

Darüber hinaus fordern die insgesamt zehn Ärzte, dass die Kontrollen der Gas- und Erdölindustrie so umfassend wie möglich ausgeschöpft werden müssten. Diese Kontrollen dürften nicht von der Erdgasindustrie und ihren Verbänden vorgenommen werden, so die Mediziner weiter. Unabhängige Stellen sollten dies übernehmen. Die Bohrschlammgruben, die im Verdacht stehen, für die erhöhten Zahlen von Krebserkrankungen in der Region, müssten zeitnah saniert werden - die Kosten hätten die Verursacher zu übernehmen. Bis die Ergebnisse der geforderten Prüfungen vorliegen, sollten alle Frackingvorhaben eingestellt werden, heißt es in der Erklärung weiter.

Fragebogen im November 2014

Der Landkreis hatte im November 2014 alle 6.978 Einwohner von Bothel mit einem Fragebogen angeschrieben und zu eigenen Krebserkrankungen beziehungsweise Erkrankungen von Angehörigen befragt. Dabei wurden bei den Männern 37 Fälle von hämatologischen Krebserkrankungen mit Hilfe des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes näher analysiert. Die räumliche Nähe des Wohnortes zu Bohrschlammgruben habe bei diesen Fällen einen Anhaltspunkt für einen möglichen Zusammenhang gegeben, hieß es. Acht der Männer waren zudem lange in der holzverarbeitenden Industrie tätig.

(NDR, 28.4.17)

 

 

Krebs nach Fracking-Bohrungen?

Ärzte unterstützen "Krebsdorf"-Bewohner

Eine statistisch erhöhte Zahl an Krebsneuerkrankungen treibt die Bewohner im Landkreis Rotenburg um. Sie vermuten einen Zusammenhang mit Fracking-Bohrungen in der Nähe. Ärzte fordern eine unabhängige Untersuchung.

ROTENBURG. Im niedersächsischen Rotenburg haben mehr als 200 Ärzte einen gemeinsamen Brandbrief an die Gesundheitsministerin des Landes, Cornelia Rundt (SPD) geschickt. Hintergrund sind die "statistisch unerwartete Häufung von hämatologischen Krebsneuerkrankungen" in der nahegelegenen Gemeinde Bothel und dem Ort Rotenburg, wie es in dem Schreiben heißt.

Die Ärzte fordern darin Geld für eine Industrie-unabhängige Ursachenforschung, wie einer der Ärzte, der Umweltmediziner Dr. Matthias Bantz, der "Ärzte Zeitung" sagt. Das war im September 2015. Vergangene Woche ist die Ministerin nach Rotenburg gekommen.

41 statt 21 Neuerkrankungen

"Die Patienten sind irritiert und beunruhigt", sagt Bantz. Deshalb haben 80 Prozent der niedergelassenen Ärzte und 75 Prozent der Klinikärzte des Ortes unterschrieben. Kein Wunder. Denn nach Zahlen des epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen sind in den Jahren 2003 bis 2012 41 Männer in der Gemeinde Bothel an Blutkrebs oder Lymphdrüsenkrebs erkrankt.

Statistisch zu erwarten gewesen wären 21 Neuerkrankungen, geht aus dem Register hervor. In Rothenburg liegt die Steigerung bei 30 Prozent bei Männern über 60 Jahren.

Ob Rückstände aus der Erdgasförderung oder Fracking-Bohrlöcher für die Erkrankungen ursächlich sind, sei derzeit unklar, sagte Ministeriumssprecher Uwe Hildebrandt der "Ärzte Zeitung". Diese Position wiederholte Rundt auf dem Treffen in Rotenburg. Inzwischen habe der Landkreis in Bothel 8000 Fragebögen an die Haushalte verteilt, weil das Krebsregister für die fraglichen Jahre nur anonymisierte Daten vorhält. Der Rücklauf betrug 5000 Bögen.

Kein Fracking bei Trinkwasser-Förderung

"Die Auswertung läuft, sagt Hildebrandt. Und dass es keinen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Bohrungen und den Erkrankungen gebe. Man könne ihn weder konstatieren noch ausschließen. Diesen Standpunkt vertrat Rundt auch bei ihrem Besuch in Rothenburg.

Bantz allerdings findet einen Zusammenhang zwischen den Bohrungen und den Erkrankungen plausibel. "Leukämie und Lymphdrüsenkrebs sprechen jedenfalls sehr auf Benzole an, die bei den Bohrungen frei werden können". Die Ärzte forderten deshalb bei dem Treffen mit der Ministerin, dass sofort gehandelt wird. "Wir fordern, dass nach dem Vorsorgeprinzip vorgegangen wird", sagt Bantz. "Bis die Unschädlichkeit bewiesen ist, müssen die Förderungen aus dem Verkehr gezogen werden."

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber wäre schon froh, wenn keine zusätzlichen Anlagen gebaut und die bestehenden genau beobachtet würden. "Wir wollen kein Fracking, wo Trinkwasser gefördert wird", sagte Weber der "Ärzte Zeitung". Indessen sei die Rotenburger Rinne, eine Trinkwasser führende Schicht, schon mehrfach durchbohrt worden. "Auch Bremen fördert daraus Trinkwasser."

(Ärzte Zeitung, 23.02.2016, Christian Beneker)

 

 

 

 

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